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Maria Riva „Meine Mutter Marlene“ Marlene Dietrich – sie hat das Medium Film von den Kinderschuhen des Stummfilms bis zum Blockbuster begleitet und geprägt. Sie hat in Berliner Hinterhäusern gespielt und auf den größten Bühnen der Welt gestanden.
Denkt man an Marlene Dietrich sieht man den Star, die Diva, die makellose Schönheit. Man erinnert sich an die perfekten Fotos, die noch heute als Vorbilder für Fotografen und Modelle dienen. Man hört ihre Stimme leise anklagend in „Where have all the flowers gone“.
Natürlich interessiert man sich für ihr Leben, selbstverständlich will man wissen, wie sie aus dem düsteren Deutschland nach Hollywood kam und der Star wurde, der noch heute glänzt.
Doch Maria Riva, die einzige Tochter, zeigt die Frau Lena, die mit aristrokratischer Arroganz eine eigene Welt kreierte, die mit künstlerischem Spürsinn, einem angeborenen Blick für den eigenen Vorteil und einmaliger Ignoranz Marlene Dietrich erschuf.
Zu Beginn ist es für den Leser kaum merklich, wie die Personen verschwimmen. Erst wenn man realisiert, dass Maria Riva nur selten von ihrer Mutter spricht, sondern das internationale „die Dietrich“ nutzt, wenn man erkennt, dass diese sich selbst als Kunstprodukt ansieht, dann kann man Maria Riva verstehen.
Dieses Buch will den Stern nicht vom Himmel reißen, das Idol nicht demontieren. Es ist mehr ein Befreiungsschlag der Tochter, damit die Welt endlich ihre Mutter sieht und eben nicht den Star. Die Schauspielerin, die immer ihr eigenes Stück spielte. Man sieht die eiskalte Frau, die von aller Welt geliebt wurde und ihren Platz im Mittelpunkt nie verlassen wollte. Deren eiserne Disziplin sich selbst und die Menschen in ihrem Umfeld zerstörte.
Sicher, diese Dinge wollte man eigentlich gar nicht wissen, doch verändert das Buch die Sichtweise. Die makellosen Fotos, die veröffentlichten Geschichten bekommen Risse und werden hinterfragt. Viele haben die schauspielerischen Fähigkeiten der Dietrich kritisiert, ihren Erfolg auf ihr Aussehen reduziert. Dabei war sie wohl die größte Schauspielerin. Die ganze Welt hat ihrer Darstellung geglaubt. Sie hat ihr Leben nach ihrem eigenen Drehbuch gestaltet, dabei war ihre Wirklichkeit nie real.
Oliver Baglieri „Ninette – Am Ende der Unendlichkeit“ Paris während der Bauarbeiten am Eifelturm. Ein namenloser Vampir auf der Suche nach dem Sinn seines Daseins. Mit seinem unbekannt bleibenden Freund Serge teilt er seine Gedanken. Dem Freitod nahe, entdeckt er eine Sterbliche, der er von nun an, jede Nacht folgt. Doch wie nah darf er ihr tatsächlich kommen?
Oliver Baglieri hebt in seinem neuesten Roman die Schachtelsätze aus ihrem jahrzehntelangen Schlaf, dem sie seit dem Scheiden von Franz Kafka ausgesetzt waren. Als übergreifendes Stilmittel reizt er sie bis an die Grenze des Lesbaren aus. Doch lässt man sich auf diese ein, offenbart sich ein feines Büchlein über Liebe, Leidenschaft und die Sinnhaftigkeit jedes Lebens. Eine Geschichte die bewegt, erkennen wir doch zwischen den Zeilen, dass es dem Vampir weniger um die Erfüllung seiner Liebe zu einer Unbekannten geht. Er ist vor allem auf der Flucht vor der Einsamkeit. Und wer ist dies nicht – selbst in heutiger Zeit?
Briefe randvoll mit philosophischen Gedanken, die letztendlich nur einen Weg bereiten können. Kommt das Ende der Geschichte erst ein wenig schnell und ungeliebt daher, erkennen wir doch bald, dass es für den Vampir der einzig logische Schluss sein musste.
Barbara Bronnen „Friedhöfe - Warum ich für mein Leben gern auf Friedhöfe gehe” „Nichts scheint beständiger als die Liebe der Toten, sie währt ewiglich...”

Dieses Buch fühlt sich an wie eine innerer Wirbelsturm und doch liest es sich so warm und beschaulich wie ein verregneter Nachmittag bei Kerzenschein. Es ist nicht als Zeitvertreib für langweilige Wochenenden gedacht, sondern als aufwühlende Auseinandersetzung mit den eigenen Gedanken zum Tod. Obwohl sie aus einer völlig anderen Welt stammt, scheint die Autorin mit jedem Kapitel die Bilder von Gerald Axelrod zum Leben zu erwecken. Da gibt es ein Wiedersehen mit der italienischen Stadt der Toten oder dem Inselfriedhof von Venedig...

Barbara Bronnen erzählt Geschichten längst vergangener Zeiten, von Menschen, die nur noch in Erinnerungen existieren. In jedes Kapitel lässt sie einen kleinen Schimmer ihrer eigenen Seele und Vergangenheit einfließen. Sie hat mir mit jedem Wort mehr aus meinem Inneren gesprochen, als es ein Poet unserer Couleur bisher konnte.

Mit jeder weiteren Seite verfällt man der Passion zu Friedhöfen und der Literatur an sich aufs Neue. Jede einzelne Anekdote überschreibt sie mit einem bewegenden Gedicht oder Zitat anderer Dichter. Ein Buch - nicht für unsere Szene geschrieben, aber doch der beste Grund, um mal wieder einen Nachmittag auf dem Friedhof zu verbringen.
 
Ines Binnemann & Oliver Baglieri - „Der Gayal” "Der Gayal” reiht sich in die Serie moderner Vampirliteratur mühelos ein. Die zwei individuellen Erzählperspektiven bringen dem lesenden Zuschauer die verschiedenen Beweggründe der Hauptpersonen hilfreich nahe, insbesondere da die Rollen beim Katz- und Maus-Spiel rasend schnell wechseln. Man mag das Buch nicht beiseite legen, um ja den Anschluss nicht zu verlieren. Ich bin jetzt schon voller Erwartung auf ein Folgewerk, um tiefer in die Geschichte des „Gayal” vordringen zu können.
Michael Sobaina „Facetten – WGT Leipzig“ Vorweg gebe ich gleich zu, dass dieses Buch meinen Ansprüchen, die ich mit dem Kauf verband nicht gerecht wird. Sicherlich begrüße ich das Unterfangen, dem WGT durch die Sammlung verschiedenster Gäste ein Gesicht zu geben. Gerade ich beschwere mich immer, dass bei den Berichterstattungen über das WGT zu wenig Augenmerk auf die Besucher gelegt wird. Das WGT ist eine große Zusammenkunft und das ist schließlich mehr als nur ein Musik-Festival.

Tina Ahrensmann, die Vorsitzende des Gothics Culture e.V. schreibt im Vorwort, dass das Buch eine Art Fotoalbum einer internationalen Familie sei. Doch gerade diese Erwartung wird dann enttäuscht. Ein Familienalbum besteht in der Regel aus Schnappschüssen, aus bildgewordenen Erinnerungen und emotionalen Momentaufnahmen. Diese Bilder sind jedoch emotions- ja regungslos. Abgesehen von der - für einen Fotografen – enttäuschenden Bildqualität, fehlt diesen Bildern die Aussagekraft.

So als würde man alle Kunden eines Einkaufszentrums ablichten, um zu beweisen, dass man alle Käuferschichten vertritt. Hier hätte es Bildern bedurft, die inmitten der friedlichen Massen entstanden. So wird maximal die Zusammengehörigkeit der auf einem Foto Befindlichen gezeigt. Gerade weil weder Buch noch CD einzelne Statements enthalten, müssten die Bilder zur Gemeinschaftsaussage werden. Dies tun sie nur nicht.

Sicherlich ein interessantes Buch für alle, die schon immer mal wissen wollten, wie man sich zum WGT anzieht, aber kein Fotoalbum unserer großen Familie. Ich hoffe, dass Michael Sobaina beim nächsten WGT den Blickpunkt aus der Masse heraus einnimmt und nicht wieder den eines außen stehenden Betrachters.