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Kloq

Reaper

Combichrist |
21. März 2007 -
Universum Stuttgart - Combichrist, Reaper, Kloq
An diesem noch etwas kühlen Märzabend hatte der kleine Club
Universum, welcher ja leider bald seine Pforten schließen wird, zu
einem Abend für die Freunde etwas härterer elektronischer Klänge
eingeladen, und es hatten sich von diesen denn auch recht viele
eingefunden. Im Laufe der Nacht wurden es immer mehr, und
stellenweise gab es schon reges Gedrängel, aber dennoch hätten noch
einige Leute mehr in den Club gepasst. Nach etwa einer Stunde des
Wartens war es dann Zeit für KLOQ aus Großbritannien, den Abend zu
eröffnen.
Das Elektronikprojekt KLOQ besteht im Wesentlichen aus dem Musiker
Oz Morsley (Produzent/Songwriting); er konnte für einzelne Songs
jedoch Douglas McCarthy (NITZER EBB) und Greg C. als Gastsänger
gewinnen; in Stuttgart stand Greg am Mikro und Oz Morsley hinter den
Keyboards/Synths. Morsley, seit frühester Jugendzeit von den
verschiedensten Spielarten elektronischer Musik fasziniert, gründete
mit befreundeten Musikern zunächst die Band EMPIRION, die durchaus
einige Erfolge verzeichnen konnte und mit Bands wie THE PRODIGY,
FRONT 242 oder MOBY auf Tour ging. Danach kam KLOQ; erste Songs
wurden über Atomic Reactor und Solstice veröffentlicht. Da seine
Werke durch Gesang eine zusätzliche Komponente bekommen sollten,
holte er sich einen alten Bekannten mit ins Boot - Douglas McCarthy,
wohl bekannt durch seine Band NITZER EBB. Heraus kam "We're Just
Physical", im März diesen Jahres in mehreren Versionen über Out of
Line als Single veröffentlicht. Zur Zeit arbeitet Herr Morsley an
einem Album, welches verschiedenste Gastmusiker beinhalten wird; die
Songs werden teils mit, teils ohne Gesang auskommen. Wer mehr über
Oz Morsley und dieses Projekt wissen möchte, sei auf seine
myspace-Seite
verwiesen.
Dichter, wabernder Nebel und ein Intro kündigten KLOQ an, und im Nu
war der Platz vor der kleinen Bühne recht gut gefüllt. Zunächst war
auf dieser nur Oz Morsley hinter seinen Instrumentenaufbauten
auszumachen, eingetaucht in intensives rotes Licht. Doch Greg C.
ließ nicht lange auf sich warten, und mit seinem Auftauchen konnte
die Party auch für das Publikum losgehen. Was die beiden Herren dann
in einem etwa halbstündigen Auftritt boten, war kurzweiliger, sehr
tanzbarer und etwas härterer Electro/EBM, versehen mit Techno- und
Industrial-Anleihen, der mich allerdings nicht wirklich vom Hocker
gerissen hat und auch im Nachhinein keinen bleibenden Eindruck zu
hinterlassen vermochte - was allerdings auch darin begründet sein
könnte, dass diese Art von Musik für mich zwar sehr unterhaltsam und
wunderbar zum Tanzen geeignet ist, es aber sehr selten schafft, mich
wirklich anzurühren oder zu begeistern. Greg jedenfalls schien
sichtlichen Spaß auf der Bühne zu haben, und er animierte die
Anwesenden auch immer wieder zu Mittanzen und -singen/shouten.
Manche der Songs verzichteten auch vollkommen auf Gesang. Im Fazit
nicht schlecht, und für Liebhaber dieser Musikrichtung zweifelsohne
zu empfehlen.
Nach etwa einer Viertelstunde Umbaupause betrat unter den Klängen
eines beeindruckenden Intros und begleitet von düsteren
Stroboskopblitzen eine in eine Kutte gehüllte Gestalt die Bühne und
nahm ihren Platz hinter dem Keyboard ein. Schon sehr passend zum
Namen der Band -
REAPER. Nach wenigen
Minuten kam dann ein weiteres bekanntes Gesicht auf die Bühne: Vasi
Vallis, vielen sicherlich durch die 2005 aufgelöste Band NAMNAMBULU
oder als Livekeyboarder von VNV NATION bekannt, und heutzutage auch
aktiv in dem Zweierprojekt FROZEN PLASMA zusammen mit Felix Marc von
DIORAMA. Ein erstes Lebenszeichen gab das Industrial-Projekt REAPER
nur wenige Monate nach dem Ende von NAMNAMBULU von sich - die EP
"Angst", welche bereits gute Chartplatzierungen erzielen konnte.
Anfang diesen Jahres stand dann der erste Langspieler in den
Plattenläden, welcher auf den Namen "Hell Starts With An H" hört.
Im Gegensatz zu FROZEN PLASMA, wo Vallis das Singen einem anderen
überlässt und eher unspektakulär hinter dem Keyboard steht, konnte
man ihn hier einmal ganz anders erleben, und es steht ihm durchaus
sehr gut zu Gesicht. Dieses hatte er in Rot und Schwarz angemalt,
und zusammen mit der meist blauen, kalt wirkenden Bühnenbeleuchtung
ergab sich ein wunderbares Bild. REAPER fielen an diesem Abend
musikalisch nicht aus dem Rahmen. Vallis, dessen Wurzeln im Acid/Minimal
Techno liegen, geht hier wesentlich harscher und düsterer zu Werke -
EBM und Industrial dienen hier als grobe Schubladen. Er tobte über
die kleine Bühne, schnitt Grimassen, teils roboterhaft, teils
diabolisch grinsend, und animierte die Fans zum Mittanzen, was auch
ausgiebig getan wurde. Insgesamt eine gerade auch durch das schöne
Bühnenlicht sehr beeindruckende Show, und dazu schön dunkle
Tanzmusik - das Publikum war optimal vorbereitet auf das, was da
kommen sollte.
Nach etwa einer dreiviertel Stunde Spielzeit und der folgenden
Umbaupause war es dann aber wirklich Zeit für die Band, auf die die
meisten Anwesenden gewartet hatten -
COMBICHRIST aus
Norwegen. Andy LaPlegua, ICON OF COIL-Frontmann und auch in dem
Projekt PANZER AG involviert, gründete COMBICHRIST im Jahre 2003 als
Seitenprojekt und machte damit einen großen Schritt weg von Future
Pop in dunklere und deutlich härtere Gefilde. Die erste
Veröffentlichung der Band ist "The Joy Of Gunz" über Out of Line
Records gleich im Gründungsjahr. Man fängt an zu Touren und erspielt
sich bald den Ruf eines sehr guten Live-Acts. Das zweite Album "Everybody
Hates You" (2005) weist die Richtung - weg von Industrial, Noise und
zuviel Verzerrung und hin zu aggressiver, sehr tanzbarer, sich in
Grundzügen an Techno orientierender Musik, die jedoch nicht ihre
Wurzeln vergisst. Dieses Jahr schließlich durften sich die Fans über
die neueste Veröffentlichung "What The F**k Is Wrong With You,
People" freuen.
Auch wenn ich selbst nicht gerade der größte Fan von solch hartem
Electro/Industrial bin, muss ich zugeben, dass mich der Auftritt von
COMBICHRIST schon sehr begeistert hat. Es wurde einfach ein
gelungenes Gesamtbild geboten: Zunächst einmal LaPlegua, mit
martialischer Bemalung und in einer Kevlar-Weste, der äußerst
charismatisch die Fans in seinen Bann zog, über die Bühne sprang,
soweit dies überhaupt möglich war und die spärlichen Texte der
Lieder ins Mikro schrie. Dann die beiden Live-Drummer Joe L., ein
wahres Energiebündel, und ebenso am anderen Rand der Bühne Jon H.,
die zusammen den treibenden Grundrhythmus der COMBICHRIST-Songs
lieferten, und nicht zu vergessen Shaun F., der die pumpenden Beats
und allerhand andere Sounds, von melodiösen Abschnitten bis zu
seltsamen Maschinengeräuschen, beisteuerte, und sich nicht etwa, wie
das oft bei den Herren hinter dem Keybaord ist, ein wenig hinter
seinem Instrument versteckte, sondern richtig abging, und zeitweise
sogar auf das Instrument kletterte. Musikalisch geht es wie schon
erwähnt etwas härter, aber elektronisch zu. Techno-Body-Music nennt
die Band selbst ihren Sound, und das erscheint nicht ganz unpassend,
zumal man sich auf die geradlinigen Rhythmen des Techno stützt,
darauf aber Electrosounds, Industrialanleihen, Noisefragmente und
vor allem sehr tanzbare Strukturen packt. Ein Übriges tat das
abwechslungsreiche, stimmungsvolle Licht, das die Bühne mal in
schönem Blau, dann Grün oder Rot erstrahlen ließ, immer wieder
unterbrochen durch hektische Stroboskopblitze, passend zum gerade
gespielten Song. Das Publikum tobte und bejubelte seine Helden, es
wurde begeistert mitgetanzt, und überhaupt war die Stimmung
phantastisch. Da kann ich nur sagen, jederzeit gerne wieder, es hat
Spaß gemacht! |