
Legion of the Damned

Celtic Frost

Kreator |
LKA Longhorn
Stuttgart 28.03.2007 Celtic Frost, Legion of the Damned, Kreator
Bei unserem Eintreffen im Stuttgarter LKA war das allgemeine
Haareschütteln schon im vollen Gang und die Laune überaus gut. Wir
waren ganz offensichtlich als Zuspätkommende in der Minderzahl. Auf
der Bühne wüteten bereits Legion of the Damned und das Publikum
stand ihnen in Nichts nach, als wäre es das letzte Metal-Konzert
dieses Jahres. Schon um diese noch recht frühe Runde versuchten sich
nicht wenige Berserker mit freiem Oberkörper im Crowdsurfen. Ich
möchte nicht wissen, wie viele Kilo die Security am Ende dieses
Konzerts gestemmt hat. Zwar flossen etliche Liter an Bier, doch es
waren keine größeren Ausfälle zu verzeichnen und die gegenseitige
Rücksichtnahme blieb bis zuletzt bestehen. Dessen völlig ungerührt
fabrizierten die vier Niederländer weiterhin ordentlich lauten
Trashmetal. Im Januar 2006 gegründet, weisen sie bereits zwei Alben
vor („Malevolent Rapture“ und „ Sons of the Jackal“). Offensichtlich
lassen die Musiker ihre 80er-Einflüsse erkennen und vollenden diese
in gelungener Trash-Manier. Früher waren sie unter dem Namen Occult
für Death- und Blackmetal inklusive Corpsepaint bekannt. Vorbildhaft
fegten Legion of the Damned ihre Matten durch die Luft, wobei ihnen
das Publikum in nichts nachstand. Die durchschnittliche Haarlänge
dieses Abends betrug schätzungsweise mindestens 40 Zentimeter.
Auf Legion of the Damned folgten die Metal-Urväter Celtic Frost.
Mittels vieler T-Shirts im Publikum schon vorangekündigt, stieg die
schweizerisch-amerikanische Band die Stufen zur Bühne herab. Dabei
wurden sie mit vielen Pommesgabeln und „Celtic-Frost“-Rufen
empfangen. In Corpsepaint ummantelt und von Bannern mit
Pentagramm-gekrönten Schädeln umgeben, eröffneten sie ihre Show.
Zwischen den sich in ihrer Intensität steigernden Songs ließ sich
der Sänger Tom Gabriel Fischer in langen Ansprachen gehen und
sinnierte über Leben und Tod. „Wer hat Angst vorm Sterben?“ Trotz
dieser Unterbrechungen überzeugte die diabolische Energie ihrer
teils misanthropischen Songs in radikaler Metalmanier. Eiskalt
würgte Tom Gabriel Fischer seine Lyrics in die tobende Masse vor
ihm. Celtic Frost haben in der musikalisch abstinenten Phase bis
2006 nichts an Intensität eingebüsst - ebenso wie die Fans nichts
vergessen haben. Das neue Album „Monotheist“ zeugt deutlich davon.
Dankend verneigte sich die Band nach ihrem seelenfrierenden Auftritt
vor dem wüst applaudierenden Publikum und zogen sich zurück, um für
den Headliner des Abends Platz zu schaffen.
Die aufgeheizte Stimmung entlud sich nach kurzer Wartezeit in
sofortigem Jubel, als sich die Ankunft der sehnsüchtig erwarteten
Kreator mittels Nebelschwaden und rotem Licht ankündigte. Von
flinken Roadies aufgestellte Banner mit getürmten biomechanischen
Schädeln katapultierten die tosenden Zuschauer ebenso in eine
Endzeitwelt wie Projektionen aus Schmerz und blutigem Fleisch.
Bereits mit den ersten schnellen, melodischen Klängen der bereits
seit den 80ern bestehenden deutschen Trashmetal-Band flogen auch in
den hintersten Ecken des LKA die Haare, von immer noch aktiven
Crowdsurfern mal ganz abgesehen. Kreator zelebrierten die selbst
proklamierten 80 Minuten Terror bis ins Kleinste. Miland Petrozza
würdigte dabei die Anwesenheit von drei Generationen Metal-Fans, die
den Sänger dafür mit „Ausziehen“-Rufen bedachten. Doch völlig
unbeeindruckt zeigten die Metal-Heroen ihr ganzes fieses
Trash-Können, was auch auf der aktuellen CD/DVD-Veröffentlichung „Enemy
of God-Revisited“ nachzuvollziehen ist. Nach vom Thema
abschweifenden Alben wie dem mit Tilo Wolff produzierten „Endorama“
haben sie damit wieder zu altbekannter Härte zurückgefunden.
Begleitet von vielen Kreator-Rufen neigte sich dieser fulminante und
lautstarke Abend dem Ende zu. Die Reaktion des Publikums zeigte
deutlich die positive Zustimmung zu der Zusammenstellung dieses
Konzerts und am nächsten Morgen sind wohl nicht wenige mit
schmerzendem Nacken mühsam aus dem Bett gekrochen. Ein überaus
gelungener metallischer Abend im LKA. |