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Das diesjährige Mera Luna war wohl unsere entspannteste
Außenaktivität des Sommers. Zwei Tage bei schönem Wetter, netter Musik und
lieben Freunden ließen unseren Urlaub angenehm ausklingen. Ohne Stress
verbrachten wir die meiste Zeit vor der Hauptbühne und sahen dem Geschehen
um uns herum in aller Ruhe zu. Nur zu Pink Turns Blue,
Schandmaul und Faith and the Muse zog es uns in den Hangar.
Aber halten wir uns an das Programm.
Den Auftakt gestalteten für uns Epica. Die
Niederländer hatten uns bereits beim WGT vor allen Dingen optisch
beeindruckt. Frontfrau Simone Simons wartet neben einem lupenreinen
klassischen Mezzo-Sopran mit so ausgeprägten Headbanging-Aktionen auf,
dass es einem mit unter ganz schwindelig wird. Auch zeigte sich die Band
sehr publikumsnah und verbrachte beide Festivaltage mitten unter den
Gästen. Umbra et Imago boten eine wie immer sexuell-geladene Show
und traten diesmal auch mit einer bekleideten Frau auf. Diese wurde als
neue Gitarristin vorgestellt und wird sich sicherlich ihren Teil zu den
Showeinlagen denken. Von unserer Seite aus müssen wir nur mal ganz
nüchtern darauf hinweisen, dass sich dieses Jahr auch eine größere Anzahl
Kinder auf dem Mera Luna Gelände bewegte und diesen Aspekt sollte man bei
der Timetable-Planung einer solchen Band doch besser berücksichtigen.
Danach legten wir eine größere Sightseeing-Pause ein.
Leider wirkte die Standaufteilung irgendwie planlos und unorganisiert. In
den letzten Jahren bildeten die verschiedenen Verkaufstresen noch eine
gewisse „Meile“, die nun lediglich ansatzweise erkennbar war. Doch dies
hinderte natürlich nicht am Schauen, Feilschen und Kaufen. Bei diesem
Ausflug wurde uns augenscheinlich bewusst, dass mehr Besucher als in den
Vorjahren anwesend zu sein schienen. So bahnten sich unzählige „Schau“-Lustige
ihren Weg durch das Angebot. Wir fühlten uns leicht an den Besuch auf
einem größeren orientalischen Markt erinnert. Das Stichwort
„Festival-Angebot“ war am Samstag noch ein Fremdwort für die Händler und
so machten wir uns mit leeren Händen zurück auf den Weg vor die Bühne.
The Mission wollten wir uns
auf keinen Fall entgehen lassen. Nach dem atmosphärisch und qualitativ
sehr guten Auftritt von Wayne Hussey im letzten Jahr lag unsere Messlatte
entsprechend hoch. Und wir wurden nicht enttäuscht. Besonders Hits wie „wasteland“
und „Evangeline“ feierte das zahlreiche Publikum ausgelassen. Leider
konnten hier die „Zugabe“-Forderungen nicht erfüllt werden. Stellt sich
die Frage, was die Veranstalter dazu bewog, eine Band wie The Mission auf
den Nachmittag zu legen.
Ja, was berichten wir denn über Láme Immortelle? Auf
kleineren und größeren Festivals der vergangenen fünf Jahre begegneten sie
uns mit ungeplanter Regelmäßigkeit. Hierbei stellten wir fest, dass ihnen
kleinere Bühnen besser liegen. Anfangs noch aufgrund technischer
Schwierigkeiten kaum zu hören, verbesserten sich die stimmlichen
Qualitäten von Sonja Kraushofer während des Auftrittes merklich. Bei
längerer Spielzeit hätte sie wohl mehr Kritiker von sich überzeugen
können. Der bereits bekannten Bühnen-Choreographie tat der Einsatz von
Livemusikern sichtlich gut. Nur sprang der Funke nicht so recht auf uns
über. Wir ziehen bei dieser Gruppe daher wieder kleinere Podien vor.
Nichtsdestotrotz für Fans ein gelungenes Konzert da sie einen breiten
Einblick in ihr bisheriges Schaffen und einen exklusiven Ausblick auf ihre
neue Single „5 Jahre“ gewährten.
In Extremo offenbarten dann
das krasse Gegenteil. Mit einer kaum beschreibbaren Spielfreude animierten
sie die Massen zu schweißtreibenden Klatsch-Hüpf-und-Pogo-Einlagen. So
macht man Stimmung unter 23.000 Festivalbesuchern. Der „Vollmond“ schallte
aus tausenden Kehlen weit über das Festivalgelände hinaus. Die
Erfolgskurve von Within Temptation zeigt stetig nach oben. Seit
mehreren Jahren Stammgast auf dem Flughafen Drispenstedt zeigten sie eine
routinierte Show mit bekanntem Bühnenbild und Ablauf. Für Fans sicherlich
ein sehr ansprechendes Erlebnis, unser Herz haben sie jedoch immer noch
nicht gewonnen.
Anders natürlich Wolfsheim. Daher schafft es die
Beschreibung des hier Gebotenen nur schwerlich auf das Papier (bzw. den
Bildschirm). Dies war tatsächlich ein Auftritt, der uns nicht gefallen
hat. Zwar sind sie nach wie vor die netteste Band der Welt, aber
musikalisch lag hier Einiges im Argen. Anfangs noch froh über einen guten
Sichtplatz in den vordersten Reihen, konnten wir den wummernden Bass nach
wenigen Liedern nicht mehr ertragen. Ob die Techniker wussten, dass ein
Wolfsheim-Konzert von einer dichten, angenehmen-schwelgerischen Atmosphäre
lebt und nicht von Herz-Rhythmus-Störungen? Auch fanden wir es mehr als
schade, dass die älteren Stücke stark stilistisch an die neueren Werke
angepasst wurden. Zwar sind die letzten beiden Alben in sich geschlossen
und schöne Stücke, jedoch lässt sich eine musikalische Veränderung über
die Jahre nicht leugnen. Dies muss live nicht zwingend zu einem Ganzen
verwoben werden. So waren besonders Lieder wie „leave no deed undone“
hauptsächlich am Text wieder zu erkennen. Hätte Peter Heppner nicht wie
gewohnt stimmlich überzeugt, würden wir dieses Erlebnis unter „ferner
liefen“ abhandeln.
Am Sonntag starteten wir den Festivaltag mit Pink
Turns Blue. In Leipzig verpassten wir sie um Haaresbreite, nun wollten
wir das Versäumte nachholen. Ach, war das angenehm! Anders lässt es sich
kaum ausdrücken. Man mag es nun Dark Romantic Pop, Dark Wave oder wie auch
immer nennen. Sie waren hier alleinig mit einer Musik vertreten, die in
den letzten Jahren doch zunehmend in den Hintergrund gerückt ist. Es tat
gut, sie zu hören und mit Songs wie „walking on both sides“ oder „your
master is calling“ in Erinnerungen zu baden. Mehr davon!
Bei den folgenden Schandmaul zeigte sich eine der
Fehlentscheidungen in der Organisation. Da hat wohl jemand den Erfolg
dieser energiegeladenen Truppe übersehen. Der Hangar war hier eindeutig
viel zu klein für die hungrigen Massen. Bei „Herren der Winde“ und
„Walpurgisnacht“ gab es kein Halten mehr. Besonders das
wunderschön-romantische „Dein Anblick“ schmetterten die Fans mit Inbrunst.
Auch ist es äußerst beeindruckend, zwei anmutige Damen beim gleichzeitigen
Headbangen-Hüpfen und Geige- bzw. Dudelsackspiel zu beobachten. Macht das
mal nach!
Zu De/Vision zog es uns wieder nach draußen. Dem
qualitativ guten Auftritt fehlte es unserer Ansicht nach an großen Hits.
Also weiter zu Therion. Hier scheiden sich die Geister. Wer mit
diesem Klassik-Metal nicht viel anfangen kann, muss aber immer noch die
wahrlich bemerkenswerten Stimmen anerkennen. Selbst bei vollständigem
Technikausfall könnten diese Damen und Herren wohl noch den Abend zu einem
gelungenen Ende führen. Mit Covenant begann dann die
Protest-Weiß-Phase. Gut, es war heiß, warum dann nicht zu weißem Anzug und
schützendem Hut greifen. Sie spielten alle Hits. Es
fehlten weder „figure head“, „stalker“ noch „call the ships to port“.
Auch das live immer etwas holprige „Leiermann“ kam sehr gut beim
Publikum an. Covenant sind für Anhänger dieser Richtung auf der Bühne
immer zu empfehlen. Da kann man eigentlich nichts falsch machen. Störend
empfanden wir nur erneut den dumpfen, dröhnenden Bass.
Als Zwischenspiel schauten wir bei Faith and the Muse
im Hangar vorbei. Da sie nicht sehr oft auf deutschen Bühnen zu finden
sind, befürchteten wir eine erneute Überfüllung. Zu unserer Überraschung
fanden wir jedoch eine erschreckende Leere vor. War die Autogrammstunde
von Lacrimosa tatsächlich attraktiver als diese Gruppe? Jedenfalls sind
wir froh, sie hier gesehen zu haben, auch wenn im Publikum augenscheinlich
das „ältere“ Volk überwog. Aber wir sind nicht allein. Diese Musik ist
nicht vergessen!
Unter freiem Himmel ging es weiter ganz in weiß. Wenn auch
in Pfleger-Zwangsjacken-Optik präsentierten sich nun Oomph. Bei dem
derzeitigen Medien-Overkill war ein vorderer Platz im Line-Up durchaus
berechtigt. Nur wirkten sie hier müde und es fehlte die gewohnte
Interaktion mit dem Publikum. Wir vermissten mehr Stücke aus „Wunschkind“-
und „Defekt“-Zeiten, aber es galt aktuelleres Material zu promoten. Das
hält uns natürlich nicht davon ab, nach Tourdaten Ausschau zu halten, um
mal Gelegenheit für eine richtige Oomph-Live-Party zu bekommen. Dann
bildeten Lacrimosa schon den Abschluss des Wochenendes. Mit weniger
Theatralik als befürchtet und besserem Gesang als erwartet, konnte man
hier das Festival angenehm ausklingen lassen. Sicher sind sie nicht
jedermanns Geschmack, aber allein der bühneneigene Sternenhimmel war ein
sehenswerter Anblick.
Und wieder ist ein Festivalsommer und damit ein Jahr fast
vorüber. Wenn ihr zu einer solchen Gelegenheit alte Freunde wieder trefft
und auch neue kennen lernt, fragt euch mal, was die schönen Momente im
Leben ausmacht? Ist es nicht genau das? Ein netter, lauer Sommerabend im
Kreise von lieben Menschen. Mit der Gewissheit, im Herzen verbunden zu
sein. Macht Euch klar, wer und was in eurem Leben wichtig ist. Uns trennt
voneinander nicht räumliche Distanz. Manchmal sind einem die Menschen
näher, die der Alltag am weitesten von einem fernhält. Wisst dieses Gefühl
zu schätzen, wie schnell ist es fort!
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