
Exilia

Schandmaul

Subway to Sally

Oomph |
26.06.2005
Murgpark Open-Air Rastatt – Exilia, Schandmaul, Subway to Sally, Oomph
Es sollte der Abend der großen Stimmen werden. Bereits die Opener Exilia
setzten hierzu die Messlatte weit oben an. Dank der Rockröhre ihrer
Frontfrau Masha konnten keine Zweifel aufkommen, ob dieser Sonntag ruhig
ablaufen würde. Das relativ kurze aber kraftvolle Set bot neben der
momentanen Single „Can´t break me down“ auch weitere Eindrücke ihrer drei
Alben. Bereits zu diesen frühen und überaus heißen Stunde fanden sich einige
Mitstreiter im Publikum, die kräftig mitfeierten. Die Italiener haben erneut
bewiesen, dass sie sich durch ihre Live-Qualitäten noch bis in die erste
Liga vorspielen können.
Nach einer erträglichen Umbau-, Getränkehol- und Eispause betraten dann
bereits mit Schandmaul unsere Favoriten die Bühne. Sie hatten sich für
dieses Open-Air ihr Rock-Set noch einmal passend zurecht gelegt. Mit lautem
Trommelschlag wurde ihr – für unseren Geschmack viel zu kurzer – Auftritt
eingeläutet. Ohne Rücksicht auf sich selbst und auch ihre Fans trieben sie
dann mit dem „Teufelsweib“, „Wahre Helden“, dem „Narrenkönig“, den „Herren
der Winde“ und dem „Herr der Dunkelheit“ das Thermometer weiter in die Höhe.
Zur Rettung warfen sie zwischen den Liedern immer wieder ihre Wasserflaschen
in die Menge. Gewohnt ausgelassen tobten die fünf (Schlagzeuger Stefan
konnte schließlich nicht) über die Bühne. Unverständlich warum Thomas seine
Jacke erst zum Ende auszog, war einem vor der Bühne doch schon das bloße
T-Shirt auf der Haut zu viel. Den Fans gönnten sie keine Verschnaufpause, so
wurden alle ruhigeren Stücke der vergangenen Konzerte ausgelassen und es
ging direkt zum „Schatz“, „...letzten Tanz“ und in die „Walpurgisnacht“
über. Fast schon gruselig wurde es, wenn Thomas mit grabestiefer Stimme in
„Gebt acht!“ das bekannte „...vielleicht gerade hinter dir...“ sprach. Wir
wissen zwar nicht, was die anderen Gäste in dieser Zeit so trieben, aber
direkt vor der Bühne wurde gehüpft, gesungen und gefeiert. Schandmaul live
eben!
Nach einer kleinen Duschpause schauten sie dann auch direkt an ihrem
Merchandising-Stand vorbei und gaben geduldig Autogramme.
Da das Tagesprogramm straff durchgeplant war, ging es dann schnell mit
Subway to Sally weiter. Die hatten augenscheinlich ebenfalls eine eigene
Fangemeinde mitgebracht. Zusätzlich zur unbarmherzigen Sonne heizten sie die
Stimmung mit Flammenwerfern und anderen Feuereinlagen an. Dabei ist ihre
Musik und die ungezügelte Energie von Frontmann Eric Fish schon Antrieb
genug, die müden und mittlerweile sonnenverbrannten Knochen in Bewegung zu
setzen. Frenetischer Jubel brach da nicht nur bei den Hits wie dem
„Knochenschiff“, dem „falschen Heiland“ und der „Henkersbraut“ aus. Die
Potsdamer hatten in ihr Set auch ruhigere Stücke eingebaut und so überzog
sich die Haut trotz der Hitze bei dem „Kleid aus Rosen“ mit einer dünnen
Gänsehaut. Anfangs noch auf ein optisch stimmiges Gesamtbild bedacht,
entledigte sich Eric bald seiner Hemden und feierte mit freiem Oberkörper
weiter. Waren es bei Schandmaul noch zwei erlaubte Zugaben, kehrten sie für
drei Lieder zurück auf die Bühne und brachten ihren Auftritt mit „Julia und
die Räuber“ zu einem verdienten Ende. Danach begann erneut der Sturm auf den
Getränke-Ausschank und den Eismann. Die Erfrischung hatten sich jetzt alle
redlich verdient.
Mit Oomph gelangte der Nachmittag zu seinem Party-Höhepunkt. Die einsetzende
Dunkelheit brachte endlich Erbarmen für die geschundene Haut. In den
bekannten Pfleger-Patient-Outfits boten sie eine Show, die sich über
Klassiker durch alle ihre Alben bis zu den aktuellen Stücken vorarbeitete.
Bei Textzeilen wie „Unsere Rettung -…ave satani…“, „...ich will gekreuzigt
sein“ und „Gott ist tot“ dürften sich einige der Anwohner über die
Ausrichtung des Festivals gewundert haben, aber das war Dero wohl gänzlich
egal („Gott ist tot – na und!“). Bei diesem Konzert herrschte große
Zufriedenheit in unseren Reihen, da die alten Alben in unserem CD-Player
eher zu hause sind. Oomph führten über „Fieber“, „das weiße Licht“ und
„Supernova“ die – man kann es schon Fan-Generationen nennen an die neuen
Songs heran. Beinah zum Schluss aber wohl sehnlichst erwartet, offerierten
sie dann einem feiernden Publikum „Brennende Liebe“, „Sex hat keine Macht“
und den Gassenhauer überhaupt: „Augen auf!“. Waren Oomph früher
hauptsächlich für brachiale Rockstücke bekannt, nutzt Dero mittlerweile auch
weitere Facetten seiner Stimme und gestaltet seine Konzerte so
abwechslungsreich und mitreißend.
Eine zufriedene Gästeschar trat dann gegen 23 Uhr den Heimweg an. Da das
Festival mitten in Rastatt stattfand, war um diese Zeit absolut Schluss. Die
Veranstalter hingegen dürften angesichts der geschätzten 1.000 Besucher
wenig begeistert gewesen sein. Allerdings spielten zwei der Bands auch schon
am vorhergegangenen Samstag auf dem Feuertanz-Festival auf der Burg Abenberg
und viele potentielle Interessenten waren wohl noch auf dem Rückweg von dem
Selbigen. Es hat uns sehr gefreut, ein so schönes kleines Event in unserer
Nähe vorzufinden und wir hoffen auf eine Wiederholung. Vielleicht dann
kalendarisch günstiger gelegen.
Einen Dämpfer erhielt dieser gelungene Wochenendausklang dann leider noch
von der Rastatter Polizei. Diese fabrizierte durch eine unnötige Kontrolle
nicht nur einen vermeidbaren Stau, sondern gab einem mal wieder das Gefühl,
potentiell gefährlich zu sein. Schade! |