
Modulate

Imperative Reaction

VNV Nation |
VNV-Nation,
Imperative Reaction, Modulate LKA Longhorn Stuttgart
11.05.2007
Endlich mal überpünktlich angekommen, ließ sich die Security mächtig
Zeit mit dem Einlass. Aber es zeigte sich auch keine besonders große
Menge vor dem kühl umwehten LKA. Vor der Bühne geschah erst einmal
eine ganze Weile rein gar nichts. Und plötzlich inmitten der
unmotiviert dahin wabernden Gespräche stand Modulate auf der
Bühne. Diese plötzliche Aufwallung von lauten Klängen veranlasste
die Menge, sich vor der Bühne zu sammeln. Größtenteils
uninteressiert ließ man die elektronischen Einwirkungen auf die
Trommelfelle über sich ergehen und betrachtete starr den wild
agierenden Geoff Lee alias DJ Echo, auf welchen sich das Projekt
Modulate begründet. Dieses entstand 2002 und fand durch einige
musikalische Wandlungen zur jetzigen Form, die sich durch harten
Industrial mit Einflüssen von EBM und Techno präsentiert. Auf der
Bühne wird der Sound durch Martin Fay (Keyboards) und M4RC (Drums)
verstärkt. Nach und nach erreichte DJ Echo einige Anwesende vor der
Bühne vor allem durch einen Mix des altbekannten „No Good“ von The
Prodigy und erzielte etwas Reaktion. Das Publikum taute ein wenig
auf und ließ sich fast zu so etwas wie vereinzeltem Jubel hinreißen.
Dabei zeigten sich DJ Echo und seine Mitwirkenden von einer äußerst
agilen Seite und machten ihren Vorbildern Soman, Combichrist,
Feindflug, Kiew, Grendel und auch Front 242 und Nitzer Ebb alle
Ehre. Und das mit durchaus tanzbarem Songmaterial, allen voran
natürlich „Skullfuck“ . Mit einigem Applaus verabschiedet, verließen
sie die Bühne, um Platz für eine lange Pause zu machen.
Der nächste Act kündigte sich genauso unspektakulär an wie Modulate.
Plötzlich strahlten die Scheinwerfer den vier Kaliforniern von
Imperative Reaction entgegen, die gewillt waren, die Masse mit
einer Mischung aus Future Pop und Electro zu unterhalten. Dabei
wirkten sie etwas eintönig, sowohl musikalisch als auch in ihrer
Performance. In ewig gleicher Pose klebte Ted Phelps am Mikrofon und
vermochte nicht, das offenkundige Desinteresse der Menge zu
durchbrechen. In Amerika und Kanada schon in die
Industrial-Music-Charts eingestiegen, scheinen sie in Deutschland
trotz WGT-Auftritt im Jahr 2005 eher unbekannt zu sein. Bereits 1996
gegründet, präsentieren sie gegenwärtig ihr viertes Album „As we
fall“. Doch trotz durchaus tanzbarer Beats ließ das Publikum sich
durch nichts locken und spendete etwas mehr als Höflichkeitsapplaus.
In schon fast frostiger Stimmung und mit leichter elektronischer
Unterhaltungsmusik stand man sich nun VNV Nation erwartend die Beine
in den mehr oder minder vorhandenen Bauch.
Das LKA hatte sich nun doch noch gefüllt. Der Raum vor der Bühne
wurde immer geringer... und dann... gingen die Lichter auf der Bühne
an... und Plopp! Der Aktions-/Reaktionsschalter der Anwesenden wurde
spontan umgelegt und Jubel und Geschrei brach mit den ersten Tönen
aus. Immer mehr drängten vor die Bühne, am Anfang auch noch etwas
starr. Nach und nach war auch in den hinteren Reihen kein Halten
mehr. Absolut in Form und energiegeladen wirbelte Ronan Harris über
die Bühne. Dabei ließ er sich die Stimmung keineswegs von den
kleinen technischen Pannen vermiesen. Das jubelnde Publikum ließ ihm
da auch keinen Ausweg. In regelrechten Gesprächen ergab sich ein
reger Austausch zwischen freudig strahlenden Fans angereist aus ganz
Deutschland und dem irischen Wirbelwind. Dabei entstand der
Eindruck, dass eine Zweitkarriere als Comedian durchaus für Ronan in
Frage kommen würde. Nach einer ernsten Aufforderung gegen
Videodiebstahl verlegte er sich eher auf ironische Aussagen zu
angeblich langsamen, depressiven VNV Nation-Songs und wünschte sich
für seine Worte gleichzeitig eine Tischreservierung in der Hölle.
Mit jeder Aussage und jedem neuen Song gewann das Publikum immer
mehr an Schwung und wollte stürmend und schreiend letzten Endes ihre
Helden Harris und Jackson gar nicht mehr von der Bühne lassen. Nach
den endgültig letzten zwei Zugaben und einer A-Capella-Zugabe
inklusive Publikums-Chor ließ sich die Irisch-Englische Formation
nicht noch einmal auf die Bühne locken. Anfangs etwas unterkühlt,
hat am Ende dieses Abends sicher keiner mehr die kurze oder auch
lange Anfahrt bereut. |